Bilder einer Ausstellung-El Eternauta

Ausstellung Literaturhaus Stuttgart
Ausstellung Literaturhaus Stuttgart

Am 18.Januar wurde im Literaturhaus Stuttgart die Ausstellung „Héctor Germán Oesterheld – der Mythos Eternauta“ eröffnet.

„El Eternauta“ ist eine Science-Fiction Comicserie, die der Comicautor Héctor Germán Oesterheld 1957 begann. Der Zeichner des Comics war Francisco Solano López. In Argentinien wurde diese Comicserie ein Erfolg und das Buch zählt heute zu einer der wichtigsten Veröffentlichungen in Argentinien.

Außerirdische haben Buenos Aires erobert. Mit Hilfe eines tödlichen Schnees, mit Rieseninsekten und Sklaven. Ein Gruppe weniger Überlebender zieht gegen die Fremden in den Kampf. Kein Einzelner ist der Held, sondern nur die Gruppe kann bestehen. Aber sie haben keine Chance gegen diesen übermächtigen Feind. Der „Held“ und Erzähler dieser Geschichte verliert in diesem Kampf seine Familie und ist nun auf der Suche nach ihr durch Raum und Zeit.

Zwanzig Jahre später, nach dem Erscheinen der Comicserie, putscht sich das Militär in Argentinien an die Macht. Eine Diktatur beginnt, an deren Ende, sieben Jahre später, über 30.000 Argentinier tot oder verschwunden sind. Darunter sind auch Oesterheld und seine vier Töchter, die nach dem Putsch sofort in den Widerstand gingen. Nur eine Tochter wurde tot gefunden und konnte begraben werden. Alle anderen bleiben bis zum heutigen Tag verschwunden. Und so wurde das Buch, dass die Suche nach der verschwundenen Familie beschreibt, zum Symbol derjenigen, die in der Militärdiktatur Angehörige verloren haben und von denen sie nicht wissen, wo sie begraben sind oder ob sie noch leben. Das Buch steht für den Widerstand gegen die Diktatur und die nie aufhörende Suche nach der Mutter, dem Vater, dem Sohn oder der Tochter, dem Ehemann oder der Ehefrau.

Vor gut einem Jahr erschien im ZEITmagazin  unter dem Titel „Auf der Suche nach der verlorenen Familie“ ein Bericht über die Familie Oesterheld und die Geschichte und das Trauma der Überlebenden. Autorin ist Anna Kemper, die auch Kuratorin der Ausstellung im Literaturhaus in Stuttgart ist und deren Bericht der Auslöser dieser Ausstellung war. Die Ausstellung geht noch bis zum 15.04.

Zeitgleich erscheint im avant-verlag der Comic „Eternauta“ als deutsche Erstveröffentlichung.

Ein Bericht zu dieser Ausstellung wurde auch auf 3Sat in der „Kulturzeit“ gezeigt.

© Mórtola, Araldi, López
© Mórtola, Araldi, López

 

Garry Disher

Cover "Billter Wash Road" Unionsverlag
Cover „Bitter Wash Road“ Unionsverlag

Vorfreude

 

Am 15.02.2016 erscheint im Unionsverlag ein neuer Roman von Garry Disher. Garry Disher gehört zu meinen All-Times Favoriten und ich bin sehr gespannt auf den neuen Protagonisten Paul Hirschhausen.

Der Titel des Kriminalromans ist „Bitter  Wash Road“. Übersetzung ist von Peter Torberg. Und darum geht es in diesem Buch:

„In der Nähe von Tiverton, einer Kleinstadt in Australiens Nirgendwo, wird ein Mädchen tot am Straßenrand gefunden. Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, übernimmt den Fall. Er glaubt nicht an einen Unfall mit Fahrerflucht. Einsam und isoliert durchquert der Constable die unwirtliche Landschaft, vorbei an mageren Schafen, schäbigen Höfen, stellt unbeirrt seine Fragen und lernt eine Kleinstadt kennen, unter deren Oberfläche Enttäuschung und Wut, Rassismus und Sexismus brodeln. Hirsch rüttelt an der trügerischen Stille und wirbelt nicht nur den Staub der ausgedörrten Straßen auf.“

 

 

Literaturblog von Jürgen Ruckh

Also jetzt bin ich auch unter die Blogger gegangen. Nachdem ich jahrelang für das Web-Portal schwedenkrimi.de Beiträge geschrieben habe, unternehme ich nun mit dieser Seite einen Neuanfang. Dieser Blog soll sich nicht mit Schwedenkrimis im Besonderen oder mit Krimis im Allgemeinen befassen, sondern mit Büchern, Autoren, Film und Musik. Dieser Literaturblog soll der Begleiter durch mein Jahr sein. Mit Anmerkungen zu den Büchern, die ich gelesen, Autoren, die ich erlebt oder für mich entdeckt, Filme und Musik, die ich gesehen und gehört habe. Vielleicht möchte die Eine oder der Andere mich dabei begleiten.

Nun zum Titel des Blogs. Vielleicht ist die Bedeutung schon bekannt. „Schusterjunge und Hurenkind“ sind Begriffe aus der Typografie. Die beiden sind im Schriftsatz zwei unterschiedliche Typen von Satzfehlern.

Rutscht beim Setzen von Fließtext die letzte Zeile eines Absatzes auf die neue Seite, so spricht man von einem Hurenkind.

Der Begriff des Schusterjungen wird verwendet, wenn ein Absatz direkt nach der ersten Zeile auf eine neue Seite umgebrochen wird. Diese erste, alleinstehende Zeile wird dann als Schusterjunge bezeichnet.

Es gibt einen kleinen aber feinen Merkspruch, der die Unterschiede klar stellt:

Ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt, ein Schusterjunge nicht, wo er hingeht.

Diese beiden Fehler gelten im Buchdruck unter Fachleuten als schwere typografische Fehler, da sie die Ästhetik des Satzspiegels besonders stark beeinträchtigen und den Leserhythmus stören.

Ich habe mir diesen Blogtitel ausgewählt, da diese Begriffe für Fehler oder für fehlende „Schönheit“ (Ästhetik) steht. Was nicht heißen soll, dass es hier nur Kritik geben wird. Ich hoffe hier auch subjektives Lob aussprechen zu können. So sind diese für mich auch eine Art Umschreibung /Symbol. Sie stehen dafür, dass ich, natürlich rein subjektiv, darüber schreibe, ob mir eine Lektüre, ein Film oder eine Musik gefällt oder auch warum nicht.

Altes Pulpcover
Schwerpunkt Krimi

Daniel Woodrell II

Die Welt des Daniel Woodrell

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass nichts von alledem passiert ist

Einer der wohl am meisten übersehenen Autoren Amerikas war im September 2012 auf einer kurzen Lesereise quer durch Deutschland und Österreich: Daniel Woodrell, der erst durch die Verfilmung seines Romans „Winterknochen“ einem größeren Lesepublikum bekannt wurde. Obwohl er seit über 35 Jahren sein Leben als Schriftsteller verbringt, war sein Werk sowohl in Amerika als auch in Deutschland lange Zeit vergriffen und nur noch antiquarisch zu erhalten. Erst mit dem großen Kinoerfolg von „Winterknochen“ wurde sein Werk in Amerika wieder neu aufgelegt und ein Erzählband „The Outlaw Album“ veröffentlicht. In Deutschland hat der Verlag liebeskind in München sich dem Werk Woodrells angenommen und veröffentlich fast nun jedes Jahr ein Buch. Nach „Winterknochen“ folgte „Der Tod von Sweet Mister“, danach „In Almas Augen“. Nun ist auch wieder die Neuübersetzung von „Tomato red“ in den Buchhandlungen zu haben.

Tomaro red
Tomaro red

Das Buch „Der Tod von Sweet Mister“, bereits im Jahre 2001 in Amerika erst veröffentlicht und 2011 neu aufgelegt, zeigt erneut die Meisterschaft dieses amerikanischen Autoren. Woodrell, Jahrgang 1953 wurde in Springfield Missouri geboren. Seine frühen Jahre verbrachte der Autor in West Plains, einer Kleinstadt in den Ozarks. Mit 17 Jahren trat er in die Marines ein. Dort wurde er wegen eines Drogendelikts entlassen, bevor ihn die Army nach Vietnam versetzten konnte. Danach nahm er eine Auszeit. Er schlug sich mit verschiedenen Tätigkeiten durch und trampte durch Amerika. Zwischen den Reisen besuchte er College Kurse an der Universität von Kansas und nahm an Workshops teil. Seinen ersten Roman „Under the Bright Lights“ schrieb er 1986. Ein Kriminalroman mit und über den Polizisten Rene Shade, und dessen Familie. Zwei weitere Kriminalromane mit Shade folgten, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Dieser Misserfolg der Bayou-Trilogie und des Bürgerkriegsromans „Woe To Live on“ ließen Woodrell in einer schlechten finanziellen und mentalen Lage zurück. Woodrell fiel in ein tiefes Loch, wollte nicht mehr schreiben. Alle seine Bücher waren aus den Buchhandlungen verschwunden, ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Er zog wieder von Ort zu Ort: Arkansas, Cleveland, nach hier und dort und schließlich für ein paar Jahre nach San Franzisco. Und es war dort in San Franzisco, wo sich die Dinge änderten. Daniel Woodrell begann an „Give us a kiss“ zu schreiben und dieses mal schrieb er über etwas, das er kannte.

Der Protagonist des Buches, Doyle Redmond, ein gescheiterter Autor, kehrt in die Ozarks zurück und wird sehr bald in blutige Fehden zwischen lokalen Drogenbanden verstrickt. Es ist ein bitterer, auf seltsame Weise lyrischer Roman, der die Ozarks und seine Bewohner eindringlich zum Leben erweckt. Eine Vorauszahlung zu diesem Buch ermöglichten es ihm, sich ein Haus in West Plain zu kaufen. Nun war er wieder zu Hause, bei seinen Wurzeln. Die Ozarks ist eine Hochlandregion, die die südliche Hälfte von Missouri und Teile von Arkansas einnimmt und sich ebenso in das nordöstliche Oklahoma sowie in den äußersten Südosten von Kansas erstreckt. Aber nicht nur die Landschaft ist mit dem Begriff Ozark verbunden. Es ist auch die besondere Kultur, die Bevölkerung mit einem Dialekt, der dort gesprochen wird. Die Wurzeln von Woodrells Familie reichen bis in das Jahr 1840 in den Ozarks zurück. Nun wohnt er nur einen Steinwurf von dem Haus weg, in dem seine Mutter geboren wurde. Der Roman „Give us a kiss“ war der Übergang zu den Ozark Romanen. Es folgten „The Death of Sweet Mister“, „Tomato Red“, und „Winter’s Bone“. Woodrell hatte sein Thema gefunden.

Nun saß er also in der Stadtbibliothek in Dortmund und las im Rahmen des Krimifestivals „Mord am Hellweg“ aus seinem Buch „Der Tod von Sweet Mister“. Der Roman, geschrieben aus der Perspektive eines 12 Jahre alten Jungen, bleibt unvergesslich. Der Junge namens Shug lebt mit seiner über vorsorglichen Mutter in einer heruntergekommenen Hausmeister-wohnung auf einem Friedhof. „Kindliche Erzähler können ein wenig süß klingen“ sagte Woodrell. „Shug ist es nicht, denke ich. Als ich anfing zu schreiben, bekam ich ein Gefühl für ihn und seine Mutter. Die Idee, beim Schreiben, innerhalb einer Person, einer Kultur oder Familie zu sein, dass auch beinhalten kann, Grenzen zu überschreiten, ist sehr komfortabel für mich. Ich muss keinen großen Sprung machen. Alles lag vor meiner Tür. Der Ursprung der Geschichte, so erzählte Woodrell liegt in seiner Kindheit. Eines Tages ging er mit einem Schulkameraden zu diesem nach Hause. Dort im Wohnzimmer standen über 300 Radios herum. Der Vater war nicht sehr erfreut, einen fremden Jungen in seiner Wohnung zu haben. Erst im Nachhinein kam es ihm merkwürdig vor, dass jemand 300 Radios zu Hause hatte. Diese kleine Begebenheit, dieses Familiengeheimnis und die latente Gewalt des Vaters seines Schulkameraden, ging ihm nicht aus dem Kopf und mit „Sweet Mister“ hat er diese Episode zu Literatur gemacht.

Buchliste

1986 „Under the Bright Lights“ dt. „Cajun Blues“, Heyne 1994.                      .

1987 „Woe to Live On“ dt „Zum Leben verdammt“, Rowohlt, 1998.

1988 „Muscle for the Wing“ dt. „Zoff für die Bosse“, Heyne 1995.

1992 „The Ones You Do“ dt. „John X“., Rowohlt, 1999.

1996 „Give Us a Kiss“ dt. „Stoff ohne Ende“. Rowohlt, 1998.

1998 „Tomato Red“ dt. „Tomato Red“, Rowohlt, 2001; „Tomatenrot“, Liebeskind 2016.

2001 „The Death of Sweet Mister“ dt. „Der Tod von Sweet Mister“, Liebeskind, 2012.

2006 „Winter’s Bone“ dt. „Winters Knochen“ Liebeskind, 2011,

2011 „The Outlaw Album“

2013 „The Maid’s Version“ dt. „In Almas Augen“; Liebeskind 2014