Dieser Volkszähler von China Miéville

„dass alle Welt geschätzt würde“

„Dieser Volkszähler“ von China Miéville

Der Leser oder die Leserin kann sich nie ganz sicher sein, woran sie mit dem Roman von China Miéville „Dieser Volkszähler“ sind. Die Zeit und der Ort sind unklar – eine anonyme Stadt nach einer mysteriösen Apokalypse. Der Erzähler und die meisten der auftretenden Personen werden nicht benannt und die Regeln der geschilderten Gesellschaft und ihrer Bewohner sind so undurchsichtig wie sie unvermeidbar erscheinen. Sogar die Stimme des Erzählers ist zerrissen, die abrupt zwischen erster und dritter Person wechselt, wenn er diese Erinnerungen einer Kindheit erzählt, die durch ein unaufgeklärtes schreckliches Ereignis geprägt ist.
 
„Ein Junge rannte schreiend einen Bergpfad hinunter. Der Junge war ich. Er streckte die Hände vor sich aus, als hätte er sie in Flüssigkeit getaucht, als wolle er ein Bild malen, sie auf ein Blatt Papier drücken, doch er hatte nur Dreck an ihnen.“ „An seinen Händen war kein Blut.“ Und der Junge platzt heraus: „Meine Mutter hat meinen Vater umgebracht!“. Doch nach ein paar Minuten voller Konfusion ändert er seine Anschuldigung dahingehend, dass sein Vater seine Mutter umgebracht hat. Dazu im Buch: „…zu sagen versuchte, dass einer meiner Eltern jemanden umgebracht hatte – den anderen vielleicht.“ Ich streckte die Hände hoch, die ich für blutig hielt, damit alle sie sehen konnten.“ Diese Unklarheit der Details und Aussagen wie diese, ist typisch für dieses Buch. Die Grenzen unserer Sprache und Erinnerungen erschweren unsere Wahrnehmung von Geschehnissen. Wir können uns unserer Erinnerungen nie sicher sein. Und dies erstreckt sich auch auf die Schilderung der Natur, des Dorfes und der Menschen. Es gibt verschiedene erzählte Einzelheiten, die man als übernatürlich lesen und deuten kann. Gleichzeitig kann man dies ebenfalls als kindliche Fantasie auslegen. Der Junge, neun Jahre alt („Er war neun, glaube ich“), oder der Erzähler, der Hauptcharakter des Buches, bleibt ein Rätsel. Im Buch stellt er an einer Stelle fest, dass seine Identität eine “rätselhafte Geschichte“ sei, sogar für ihn selbst.
 
„Ich war ein Bergler. Über meinem Zuhause erhob sich ein steiler Hang aus Gras und lockerem Boden. Kein Pfad führte zum Gipfel dieses Berges. Unser Haus stand auf gleicher Höhe wie die der wenigen Wetterbeobachter, Eremiten und Hexen.“ Ein altes Haus mit einem verlassenen Dachboden. Zwei Wände beklebt mit alten Tapeten, auf die der Junge seine Phantasien überträgt. „Der Berg spuckt seine eigenen Alpträume  aus.“
 
 
Es handelte sich um ein Dorf, das sich über die Flanken zweier Berge verteilt und einer Brücke zwischen ihnen. „Wie alle anderen auf diesen beiden Bergen gehörten auch wir zu dieser Gemeinde, dabei lebten wir in einem Haus, das so weit abseits der Straßen lag, wie es gerade noch möglich war, um dazuzuzählen. Wir unterstanden dem Gesetz dieses Dorfes. Als ich an jenem Tag nach unten kam, rannte ich nicht, um das Gesetz zu holen; das Gesetz fand mich.“ Ein von einem Krieg verheertes Dorf. Ein Dorf, in dem die Straßenkinder Fledermäuse auf verfallenen Brücken aus der Luft fischen, um sie zu essen, wo riesige Eidechsen in zu kleinen Gehegen gehalten werden und Schrott von zerstörten Maschinen gesammelt wird. Unsichtbare Turbinen sorgen für etwas Strom. Armut und Verfall ist überall. Es kann irgendwo in Asien sein (der Tropenbaum Banyan wird erwähnt) mit einer schwachen Drehung zum Surrealen oder einem Vereinigten Königreich nach einigen Jahrhunderten an Ressourcenausbeutung. Oder irgendwo, wo trockene Erde und zerfallene Plastiktüten, der natürliche Boden unter den Füßen ist. Oder der Ort Bas Lag, bekannt aus vielen Romanen von China Miéville. Ein Hauch von Postapokalypse schwebt über dem Erzählten. Und Magie.
 
 
Die Mutter, eine maskuline, grimmige und ausdruckslose Frau, von manchen als stark, sogar attraktiv beschrieben. Der Junge fand sie schön. Sie erteilt ihm Unterricht in „einer anderen Sprache als jener, in der ich heute schreibe.“ Sie stammt aus einer Stadt, wo Züge fuhren, und die am Meer lag. Sie kümmert sich um einen kargen Ackerbau, deren Erzeugnisse sie im Dorf verkauft oder tauscht.
 
Der Vater, ist ein großer blasser Mann, der ständig erschrocken aussah. Er machte magische Schlüssel, um etwas zu öffnen, um die Zukunft zu erfahren. Einen Schlüssel zu Geld, Liebe, Glück. „Vater kommt von anderswo. Hat viel früher in einer anderen Sprache gedacht. Hat seine Heimat verlassen müssen, eine große Stadt; ganz weit weg, wegen der Unruhen dort.“ Vater und Sohn sprechen nicht miteinander. Der Sohn hat Angst vor dem Vater. Versteht ihn nicht. „Ich hatte schon vor dem Mordtag, als sein Gesicht und das meiner Mutter zuckten, Wutanfälle meines Vaters erlebt. Wutanfälle sage ich, dabei war er in diesen Augenblicken reglos und unberührt: Er wirkte abwesend und tief in Gedanken versunken.“
 
Die Mutter bleibt verschwunden. Der Leser weiß nicht was mit ihr geschah. Ist sie wirklich tot? Ein Abschiedsbrief wurde gefunden. Ist sie gegangen? Hat der Vater sie verschwinden lassen, in der Grube, in der er tote Tiere entsorgt? Tiere, die er vorher getötet hat. Sind es Tieropfer oder unverständliche, für den Jungen nicht zu verstehende Rituale, der Fremdheit seines Vaters geschuldete Rituale? „Tote Tierkadaver in einer Hölle in eine Grube – als hätte er all das, dieses Töten, nur deshalb getan, um ein Tier hinabstürzen zu sehen. Sein Vater fütterte nur die Dunkelheit mit diesen Tieren.“ Es wird angedeutet, dass in dieser Grube bisweilen Menschen auch verschwunden sind.
 
Und dann dieser Krieg. Zwei Kriege! Einer drinnen, einer draußen. Vor Jahren. Die Ursachen unklar, nur angedeutet: „Sie hatten Angst vor den Maschinen und hatten sie alle zerstört.. Die anderen haben gewonnen. Und das Ganze endete damit, dass Leute ausgesandt werden, die den Bestand aufnehmen, Fremde zählen. Wie deinen Vater.“
 
Jemand würde kommen, um Fremde zu suchen und jene, die von Fremden geboren worden waren. Es waren Leute ausgesandt worden, die solche Aufgaben übernehmen sollen, die zählen sollten, und nun würde jemand kommen. Und fast am Ende des Buches taucht er auf, der Volkszähler, Wie eine Figur aus einem Steampunk Roman. Ausgestattet mit einem wunderlichen Gewehr.
 
Dieser Volkszähler erzählt dem Jungen: „Ich muss Protokoll führen. Dein Vater ist eine dieser Personen wegen seiner Herkunft. Dein Vater, als er im Krieg war. In einer Stadt. Was er dort gemacht hat. Zu anderen Zeiten, gutes und nicht so gutes.“  „Ich zähle Menschen. Ich zähle Menschen und Dinge. Nicht jeden. Wenn man jeden zählen würde, dann würde man ja nie fertig werden oder?“
 
Die Geschichte legt nahe, dass dieser Volkszähler jemand ist, der von seinen Mitbürokraten getrennt wurde, also auf eigene Faust unterwegs ist. So klingt der Vater sehr verzweifelt, als er so ziemlich am Ende des Buches ruft: „Sie wurden zurückgerufen! Warum zählt dieser immer noch? Dieser Mann denkt, er weiß, was ich getan habe? Wann? Immer?“ Die Idee eines Datensammlers, der zum Schurken wird und sich auf die Fährte von Fremden setzt,  ist reizvoll. Denn Schüsse hallen in der Nacht. Schüsse, die der Vater kennt. „Geht eine neue Jagd los?“ „Das ist die Art von Schuss, mit der man einen Menschen tötet“.
 
Und es fällt ein Schuss und der Junge geht mit dem Volkszähler.
 
Beim Lesen dieses kurzen Romans kommt einem an manchen Stellen auch die Bibel in den Sinn. Natürlich vor allem die Passage über die biblische Volkszählung:
 
„Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Diese Einschreibung geschah als erste, als Cyrenius Statthalter von Syrien war. Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Stadt. Es ging aber auch Josef von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa, in Davids Stadt, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war.“ – Lukas 2,1–5
Des Weiteren widmet sich Miéville auch über die Funktion des Schriftstellers und des Lesers. Eine Erzählung über das Lesen und über Bücher und über denjenigen, der diese Bücher verfasst. So schreibt der Erzähler, der (vielleicht) ein Gefangener und in einem Zimmer eingeschlossen ist:
 
„Das hier ist mein zweites Buch.“ So heißt es an einer Stelle des Buches. „Das erste Buch habe ich vor drei Jahren begonnen, in einem fernen Land, das dritte ein Jahr später. Jetzt ist es endlich an der Zeit, mit diesem zweiten Buch anzufangen.“
 
„Mein erstes Buch ist eins der Zahlen. Darin gibt es Listen und Berechnungen. Dieses erste Buch ist für alle, doch kaum einer will es haben oder weiß, wie man es lesen muss. Das dritte meiner Bücher ist für mich selbst. Du führst ein Buch, so sagte er (mein direkter Vorgesetzter) zu mir, das du allein für dich liest und in dem du deine Geheimnisse notierst. Du kannst Dir allerdings nie sicher sein, dass niemand sonst es lesen wird. Das ist das Risiko dabei, auf diese Art funktioniert das dritte Buch eben.“
 
Und das vorliegende, dass ist das Buch des Erzählens: „Hier ist nichts verschlüsselt. Aber – und wieder zählte er bis eins und hatte meine ganze Aufmerksamkeit – du kannst darin Geheimnisse preisgeben und Botschaften senden. Du kannst sie rundheraus erzählen oder sie in den Wörtern verstecken, in ihren Buchstaben, in der Anordnung der Zeilen, des Arrangements und Melodien.  Das zweite Buch sagte er, ist eine Darbietung. Du kannst auf jede nur erdenkliche Art erzählen, sagte er, du kannst ich sein, oder er oder sie oder wir oder sie oder du, und du würdest nicht lügen, auch wenn du zwei Geschichten auf einmal erzählst.“
 
Eine von Miévilles Lieblingsthemen ist die Unzulänglichkeit der Sprache, das Phantastische und das Tiefgründige zu beschreiben. Es gibt überall Schmucklosigkeit, Knappheit, Stillstand, außer in der Sprache, die im Gegensatz dazu, aufwendig, anspruchsvoll und ein wenig in Wörtern schwelgt. Der ganze Roman ist verborgen hinter dem Mysteriösen – fast niemand in der Geschichte hat einen Namen. Undurchdringlich, dunkel, ein faszinierendes  Labyrinth, in dem man verloren gehen kann. Die Geschichte endet abrupt, kompromisslos und ohne Erklärung. Die Geschichte ist an der Grenze des Erzählens, der Sinn ist niemals ganz klar, dem Leser bleibt es überlassen, die Einzelsteile der Geschichte für sich zusammen zu fügen. Und sie hallt lange nach.
 

 

Dieser Volkszähler
China Miéville
Dieser Volkszähler
Aus den Englischen von Peter Torberg
liebeskind Verlag 2017
 

Ottessa Moshfegh – McGlue

„Mein Hirn kommt nicht mit“

McGlue

Ein Roman von Ottessa Moshfegh

In einem Interview mit dem „bomb Magazine“ erzählt Ottessa Moshfegh über die Entstehung des Romans „McGlue“. Sie berichtet, dass das Buch von einem kurzen Artikel in einer Zeitschrift aus dem Jahr 1851, also aus dem Jahr, in dem auch die Handlung des Buches angesiedelt ist, angeregt wurde. Inzwischen hat sie den Artikel zwar verloren, aber in dem Moment, in dem sie den Artikel gelesen hatte, trat der Charakter von McGlue in seiner vollständigen Form hervor. Ottessa Moshfegh erzählt, dass, so weit sie sich erinnert, es ein langer zusammengesetzter Satz war und  sich ungefähr so las:

„McGlue. Salem. Mr. McGlue the sailor has been acquitted on the count of murder which he was found guilty of committing in the port of Zanzibar by reason of his being out of his mind since having hit his head when he fell from a train several months prior and because he was blacked out state of drunkenness at the time he stabbed a man to death“.

Weiter gibt sie an: „In diesem Satz lag das ganze Buch: der Charakter, die Handlung, die entstellte Sprache. Ich fühlte mich, als wäre ich auf Gold gestoßen“. Soweit Ottessa Moshfegh zur Entstehung der Geschichte um den Seefahrer McGlue, der die Welt nur im Zustand vollkommener Trunkenheit aushalten kann. Ein Trinker, der Blut nach Geschmack zuordnet: „Es ist dunkles Blut und schmeckt nach Rum. Muss meins sein“. Ein Heimatloser und Lüstling, aber mit durchaus zweifelhaften Fähigkeiten, der wenig Respekt vor Autoritäten zeigt, was den Leser dazu bringt, für den Protagonisten durchaus Sympathie zu empfinden.

Ottessa Moshfegh
Ottessa Moshfegh

Eingesperrt auf einem Schiff im Loch, auf dem Weg nach Salem, Massachusetts, angeklagt, seinen guten Freund Johnson ermordet zu haben, reist McGlue um die halbe Welt. Die Schwierigkeit ist, dass McGlue sich an nichts erinnern kann, geschweige denn, wie sein bester Freund starb oder ob er überhaupt tot ist.

McGlue ist Alkoholiker und so ist sein Denken ganz darauf ausgerichtet, an Alkohol zu kommen. Die Qual nach dem Rausch oder dem Entzug in der Haft scheint er zu genießen, lenken sie ihn doch von anderen Empfindungen seines Körpers ab. Seine Gedanken wiederholen sich, bewegen sich ständig im Kreis. Eine Menge aufeinander folgender Gedanken, voller Erinnerungen an den letzten Drink, den letzten Rausch. Als er schließlich im Schiff und später in der Gefängniszelle in Salem eingekerkert ist, beschäftigten sich seine Gedanken nur mit dem Thema, wie er an Alkohol kommen könnte. Die Qual, dass ihm der Zugriff auf den Alkohol verweigert wird, zwingen ihn dazu, sich seiner Lage zu stellen, den Grund für seine Einkerkerung zu hinterfragen und zwar den Mord an seinem Freund Johnson. Das führt dazu, dass seine Gedanken aus dem Kreislauf „Alkohol“ ausbrechen und tief, bis in sein Innerstes, in sein seelisches Leben eintauschen. Der Schmerz aus den Erkenntnissen, die ihm nach und nach bewusst werden, bewegen ihn zuerst dazu, weiterhin trinken zu wollen. Aber das Begreifen baut sich schrittweise auf, kreist um ihn, bis die Erinnerung an den Mord schlussendlich auf ein klares, vom Alkohol befreites Bewusstsein trifft.

Verhör
Verhör

Was über den Tod von Johnson so nach und nach aus dem Gedächtnis von McGlue auftaucht, ist das wahre aber auch schwierige Gefühl von Freundschaft – eine zarte Schilderung von Aufopferung von Offenbarung, von McGlues eigenen Möglichkeiten, in der widerlichsten Ecke einer brutalen und verhärteten Welt zu überleben. Es gibt verschiedene Arten von Qualen, von Selbsthass, schmerzhaften Erinnerungen und vergrabenen Dingen, Definitionen von Lastern, Einsamkeit in seinem Schädel.

McGlue und Johnson. Die Freunde – McGlue, der dem Untergang geweiht ist und Johnson, der den Untergang sucht. Jonson, denkt McGlue. „..war nur ein Adept des Elends. Er hielt es für heroisch, Glück und Wohlstand auszuschlagen und das schlimmste Schicksal zu erdulden. Auf die Frage, was er mit seinem Leben anfangen wolle, wählte er den stinkendsten Pfad, er wollte sich und sein Leben ruinieren“. „Und immer war ich für ihn da, wachte auf, um ihm zuzuhören“. „Ich diente seiner Eitelkeit. Aber da war ich schon süchtig nach ihm“. „Es ist schöner als betrunken zu sein“. Geschildert wird eine Freundschaft, die von einer fragwürdigen Männlichkeit getragen wird. Wobei es verschiedene Arten von Freundschaft gibt.

„Mich mochte er, weil ich undurchschaubar war, was er nie fertigbrachte. Im nüchternen Zustand nannte er mich eiskalt, mit einem Gesicht, so tot wie bei einer Leiche. Wenn ich trank wurde ich ein wenig durchschaubarer und offenbarte mehr. Aber wir konnten uns nie auf demselben Niveau treffen – er trank nicht so viel wie ich“.

Eine Attraktion für alle ist das Loch, der Spalt in McGlues Schädel. Bei einem Sturz aus einem fahrenden Zug schlug er sich den Schädel auf. Und jetzt kann jeder in seinen Schädel schauen. „Sieht mir von oben auf den Kopf, vermutlich will er den Sprung in meiner Tasse sehen“. Aber auch für McGlue ist dieser Spalt ein Zugang zu seinen Gedanken. „Hätte ich Schnaps zu vergießen, würde ich ihn mir da oben in den Spalt schütten, damit die Schlangen Ruhe geben. Damit sie mit dem Zucken und Zischen aufhören. Wenn ich genug trinke, liegen sie eine Weile still, und ich kann einen Augenblick einfach nur leben, wie ich es hie und da bisweilen getan habe“.

„Das ist mein verfaultes Gehirn“. „Wollen sie mir das vergammelte Gewirr aus dem Kopf ziehen und den Haien zum Fraß vorwerfen?“
 
„Sie ist echt in meiner Hand, während ich auf meinen Kopf einhacke und darin herumgrabe, so gut ich kann. Der Spalt in meinem Schädel ist nicht breit genug, um die Scherbe richtig hineinzubekommen und ihn aufzuhebeln, aber ich versuche es trotzdem. Es tut schön weh. Blut tropft mir von der Nase auf die helle Wolldecke. Ich bin fest entschlossen, jetzt will ich sehen, was in mir ist, und so arbeite ich mich weiter vor. …dass ich an mein Inneres herankomme. Meine Hände sind heiß und nass vom Blut“.
 

Je mehr McGlue aus seinem Delirium tremens erwacht, sich seine Gedanken klären, umso mehr widmen sich diese auch den existenziellen Fragen. Den Fragen nach Gott, dem Leben. „Früher einmal wusste ich, es gibt einen Gott, der meine Gedanken hört, und früher einmal gab ich acht, worüber ich nachdachte, und früher einmal, schlug ich aus Scham über das, was mir durch den Kopf ging, selbigen gegen die Wand“. Dann, als es mit dem Alkohol begann, stopfte er sich mit diesem den Kopf voll. Denn er bekam es mit der Angst zu tun. Und diese Angst war Gott“.

Cover McGlue
Cover McGlue

„Ich wollte es nicht schaffen. Ich wollte es mit ins Bett nehmen, es würgen und töten und retten und gesund pflegen und wieder erwürgen, und ich wollte gehen und vergessen, wo ich hinging, und ich wollte meinen Namen ändern und mein Gesicht vergessen und trinken und meinen Kopf zugrunde richten, aber es schaffen – darüber hatte ich noch nie nachgedacht. Das hatte ich noch nie im Sinn gehabt“.

Was ist dieses „es“? Die offensichtlichste Antwort ist Nüchternheit. Aber dieses „es“ geht tiefer. Dieses „es“ ist die Erinnerung von McGlue an seinen toten Bruder, der in Salem an der Straße begraben ist. Der Bruder, „der besser war als ich, der am Feuer kochte und mich wegstieß, wenn ich die Hand danach ausstreckte“. Das „es“ bedeutet, dass Gott existiert, doch Güte trotzdem töten kann. Vielleicht gab der Tot seines Bruders den Antrieb für McGlues Alkoholismus, oder seine ständige Verweigerung nüchtern zu werden oder Frieden mit „es“ oder „ihm“ zu machen.

Ottessa Moshfegh hat eine verstörende, dunkle Geschichte über Apathie, Gedächtnis, Freundschaft und Liebe, und einen Mord geschrieben.

„Ich kann nur vermuten, dass er sterben wollte“.

 

McGlue

Ottessa Moshfegh
McGlue
Übersetzer: Anke Caroline Burger
liebeskind 2016

Tomatenrot von Daniel Woodrell

Tomatenrot

Ein Buch, wie ein Rockabilly SONG

DU BIST KEIN UNSCHULDSLAMM, und du weißt, wie das so läuft: Freitag ist Zahltag, und der Tag ist grau und ganz durchgesuppt von einem langsamen, hässlichen Regen. In deiner Trübsal suchst du Gesellschaft…“ Das ist der Anfang des meisterhaften ersten Kapitels von Daniel Woodrells sechstem Roman, der nun in einer Neuübersetzung im liebeskind Verlag erschienen ist. Und wie die Leser von Daniel Woodrell es erwarten, spielt auch dieser Roman in den Ozarks. Um genauer zu sein, in West Table, Missouri.

Der Erzähler heißt Sammy Barlach. Und die Geschichte, die Barlach zu erzählen hat, ist eine Tragödie. Aber diese zu lesen, ist eine Freude, wie die New York Times schrieb. Dieses fulminante erste Kapitel, das ganz dem Erzähler gehört, ist ein furioser Einstieg in den Roman. Barlach erzählt seinen Werdegang. Ohne Punkt und Komma wie es scheint, atemlos. Er schwadroniert wie die Menschen im Ozark sprechen. Sammy öffnet sich, ist schonungslos sich selbst gegenüber und sein Motto ist: Hier bin ich, nehmt mich wie ich bin, ich kann nicht anders. Es ist kein Bewusstseinstrom, kein steam-of-consciousness Monolog, sondern klare kompromisslose, ehrliche Sprache.

Gerade erst Arbeit in einer Hundemittelfabrik gefunden, trifft er ein Mädchen, die gut mit Crank (Meth) versorgt ist und die nach dem Wochenendtrinkgelage auf die Idee kommt, in die Villa einer reichen Familie einzubrechen, die gerade wieder einmal in Urlaub ist. Hier wird er sich seiner Herkunft bewusst: „Ich hasste mich und alle von meiner Sorte vor mir. Dieses Haus stand zig Ebenen über jedem, in dem ich jemals gewesen war.“ Er muss sich ins Gedächtnis rufen kein Abschaum zu sein und gleichzeitig dem Drang widerstehen, alles kurz und klein zu schlagen. Ein Drang, der immer da war, im Hintergrund, aber immer nach vorne gespült wurde. Er hat noch ein zweites Bedürfnis: es musste immer etwas zu essen in Reichweite sein. Ohne was zu essen konnte er nicht schlafen. Nur die Gewissheit, dass etwas Nahrhaftes greifbar war, beruhigte ihn schon.

In der Villa trifft Sammy die Einbrecher Jamalee und Jason Meridew, ein Geschwisterpaar aus Venus Holler. Die zwei leben zusammen wie Bruder und Schwester, „die früher wohl erheblich öfter Doktor gespielt hatten, als es sich gehörte.“ Die Geschwister brechen in reiche verlassene Häuser ein, um dort für eine Nacht den Luxus zu genießen. Kleider anzuziehen und so zu tun, als sei man reich. Jamalee jedoch hat Träume, will groß herauskommen, indem sie ihren Bruder, der durch sein Aussehen allen Frauen den Kopf verdreht, dazu benutzt, reiche Frauen zu verführen und dann versucht, diese zu erpressen. Nur einen Haken hat die Sache: Jason macht sich nichts aus Frauen. Und das ist gefährlich. Trotz seiner Schönheit. „Schönheit half nicht gegen Bösartigkeit, und Bösartigkeit hatte genau hier ihren Willen gekriegt“, heißt es im Roman, als das Trio durch eine Gewalttat getrennt wird. Oder wie Bev Meridew, die Mutter der Geschwister, zu Sammy sagt: „Da draußen gibt es alles mögliche Böse auf zwei Beinen.“

Beverly Meridew ist als Gelegenheitsprostituierte und gelegentlicher Polizeispitzel unterwegs. Bev lebte nach Meinung ihrer Tochter nach dem Motto: „Lebe schnell, lerne langsam.“ „Sie war eine der Frauen, die sich wie eine Kinderpuppe stylen. Eine Barbie, die mit Truckstop-Wiskey und frittiertem Hühnchen aus dem Leim gegangen war.“ Aber sie hat sich mit diesem Leben abgefunden, hat sich darin eingerichtet. Sammy zieht zu dieser inzestuösen Familie, da Jamalee auf die Idee kommt, Sammy als Beschützer zu engagieren, um sich oder ihre Träume von Reichtum vor den fiesen Elementen von Venus Holler zu beschützen. Venus Holler, „die zwielichtigste Gegend der Stadt“. Es handelt sich dabei „um eine Senke voll kleiner eckiger Häuser, die sich ein wenig zur Seite neigten wie ein Haufen Trinker.“ Trotzdem findet Sammy hier, was er so sehnlich suchte und sich wünschte: „irgendwo dazuzugehören, und das waren die Leute, die mich ließen.“

Die im Grunde bedeutungslosen Charaktere, den wen interessiert schon eine Familie, und einen Verlierertyp tief in den Ozarks, bringen sich durch ihre Handlungen, die sich durch große Dummheit auszeichnen, in Schwierigkeiten. In so große Schwierigkeiten, dass das deprimierende Ende voraussehbar ist. „Die anständige Welt hatte kaum Notiz davon genommen“, heißt es an einer Stelle des Buches. Es hatte keinerlei Aufsehen erregt, als Jason tot aufgefunden wurde, und es eigentlich allen klar war, dass er ermordet worden war. „Der beiläufige Tod eines Typen wie Jason mit einer Adresse in Venus Holler interessierte die Öffentlichkeit nicht sonderlich.“

„Tomatenrot“ ist kein Kriminalroman, kein „Noir“-Krimi. Es ist ein Roman, in dem die Hauptpersonen des Romans lernen, dass das Leben, so wie sie es kennen, keine Hoffnung für sie übrig lässt oder dass es auf irgendeine Weise für sie besser werden könnte. Wenn Sammy, Jason und Jamalee zusammen sind, strahlt der Roman eine positive Stimmung aus, in der wunderbaren Unvollkommenheit des Trios, und doch, wohin immer sie auch gehen, haben sie keine Hoffnung, wenn sie so bleiben wie sie sind und manchmal sagt der Erzähler Sammy „schämte (ich) mich für das schlecht ausgestattete Leben, in das ich hineingeboren worden war.“

Jamalee „war winzig und unerbittlich. Ihr Kopf sah aus wie eine robuste Tomate nach einem heftigen, reinigenden Wolkenbruch. Sollte ich jemals einen Mustang, Baujahr ’65, Vier-Gang mit Faltdach besitzen, dann musste er die Farbe ihrer Haare haben.“ „Sie kam auf Lösungen, wo ich noch nicht mal ein Problem erkannt hatte.“ Aber sie ist ebenso verletzlich wie Sammy und sie ist ebenso auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit, nach besseren Zeiten. Als Sammy und sie zum ersten Mal körperlich zusammenkommen, sagt sie zu ihm „Sei gut zu mir“. „Oder böse“. So zwiespältig das Verhältnis von Jamalee zu Sammy ist, so klar ist das Verhältnis von Bev zu Sammy. Hier bekommt er, was er vorerst von Jamalee nicht bekommt: Sex. Sammy ist in beide Frauen verliebt, denen jeweils eine vorhersehbare Rolle zugeteilt ist – die Hure und die unerreichbare Göttin. Während Bev eine ungehörige Menge an Vergnügen aus ihrem Gewerbe zieht hat Jamalee ambivalentere Gefühle gegenüber der körperlichen Liebe. Sie begegnet ihr mit einer Portion Furcht. Die Anziehungskraft von Sammy für die beiden Frauen ist aufgeladen durch die Mutter-Tochter-Beziehung und durch seine eigene sexuelle Unsicherheit. Auch gegenüber Jason.

Woodrell befasst sich mit der Hoffnungslosigkeit der Armut in den Ozarks. Er beschreibt die triste Wirklichkeit der Armut und die Außenseiter, die diese hervorbringt. In „Tomatenrot“, hält Woodrell seinen traurigen Themen eine Erzählweise entgegen, die lebendig, lustig und voller ablehnender Haltung ist. Sammy hat eine Stimme wie ein Schnappmesser und er benutzt die scharfe Schneide, um die Erwartungen des Lesers an die Leute vom Lande und die Gewalt zu untergraben. Barlach ist der Held von „Tomatenrot“ und wir reden von einem klassischen tragischen Helden. Er ist, wie alle guten „Noir“ Helden, fremd und zum Handeln gezwungen. Sammy strebt nicht danach ein besserer Mensch zu sein und doch versucht er, sich anzupassen. Woodrells Beschreibung, wie jemand das Lebensnotwendige verweigert wird und der dadurch zu einer unsicheren und verwahrlosten Existenz verdammt wird, ist für den Leser schwierig mitzuerleben, obwohl Sammy einen gewissen Sinn für Humor besitzt. Armut, so Woodrells Fazit, führt dazu, dass jeder schlussendlich auf sich allein gestellt ist und für sich selbst sorgen muss. Ob es Sammy, Beverly, Jamalee oder Jason ist, alle müssen sich der tiefgründigen Entfremdung stellen. Als Jamalee ihre Entscheidung fällt und Sammy am Schluss wieder einmal verraten wird, bleibt ihm nur die sinnlose Gewalt. Die Gewalt, die im Hintergrund schon immer gelauert hat und nun aus ihm herausbricht. Diese raue rohe Gewalt wird unerbittlich geschildert und wird zur Selbsterfüllung von Sammys Prognose.

Sammy ist auf der Suche. Er sucht einen Sinn, dass alles. was ihm passiert, einen Sinn ergeben muss. „Hinter all dem Schrecken muss es doch einen Sinn geben, es muss, aber ich kann ihn einfach nicht finden, und das ist meine Schuld, also quäl ich mich weiter damit herum.“

Gebt die Schuld wem ihr wollt. Jetzt wisst ihr alles.

„Ich liebe diesen Song. Da kriege ich immer so ein Kribbeln.“ Der Song war I’m left, You’re Right, She’s Gone. „Er wird ja nicht ohne Grund der King genannt.“

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Daniel Woodrell „Tomatenrot“

Übersetzer: Peter Torberg

liebeskind Verlag 2016

 

 

 

 

 

Daniel Woodrell II

Die Welt des Daniel Woodrell

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass nichts von alledem passiert ist

Einer der wohl am meisten übersehenen Autoren Amerikas war im September 2012 auf einer kurzen Lesereise quer durch Deutschland und Österreich: Daniel Woodrell, der erst durch die Verfilmung seines Romans „Winterknochen“ einem größeren Lesepublikum bekannt wurde. Obwohl er seit über 35 Jahren sein Leben als Schriftsteller verbringt, war sein Werk sowohl in Amerika als auch in Deutschland lange Zeit vergriffen und nur noch antiquarisch zu erhalten. Erst mit dem großen Kinoerfolg von „Winterknochen“ wurde sein Werk in Amerika wieder neu aufgelegt und ein Erzählband „The Outlaw Album“ veröffentlicht. In Deutschland hat der Verlag liebeskind in München sich dem Werk Woodrells angenommen und veröffentlich fast nun jedes Jahr ein Buch. Nach „Winterknochen“ folgte „Der Tod von Sweet Mister“, danach „In Almas Augen“. Nun ist auch wieder die Neuübersetzung von „Tomato red“ in den Buchhandlungen zu haben.

Tomaro red
Tomaro red

Das Buch „Der Tod von Sweet Mister“, bereits im Jahre 2001 in Amerika erst veröffentlicht und 2011 neu aufgelegt, zeigt erneut die Meisterschaft dieses amerikanischen Autoren. Woodrell, Jahrgang 1953 wurde in Springfield Missouri geboren. Seine frühen Jahre verbrachte der Autor in West Plains, einer Kleinstadt in den Ozarks. Mit 17 Jahren trat er in die Marines ein. Dort wurde er wegen eines Drogendelikts entlassen, bevor ihn die Army nach Vietnam versetzten konnte. Danach nahm er eine Auszeit. Er schlug sich mit verschiedenen Tätigkeiten durch und trampte durch Amerika. Zwischen den Reisen besuchte er College Kurse an der Universität von Kansas und nahm an Workshops teil. Seinen ersten Roman „Under the Bright Lights“ schrieb er 1986. Ein Kriminalroman mit und über den Polizisten Rene Shade, und dessen Familie. Zwei weitere Kriminalromane mit Shade folgten, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Dieser Misserfolg der Bayou-Trilogie und des Bürgerkriegsromans „Woe To Live on“ ließen Woodrell in einer schlechten finanziellen und mentalen Lage zurück. Woodrell fiel in ein tiefes Loch, wollte nicht mehr schreiben. Alle seine Bücher waren aus den Buchhandlungen verschwunden, ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Er zog wieder von Ort zu Ort: Arkansas, Cleveland, nach hier und dort und schließlich für ein paar Jahre nach San Franzisco. Und es war dort in San Franzisco, wo sich die Dinge änderten. Daniel Woodrell begann an „Give us a kiss“ zu schreiben und dieses mal schrieb er über etwas, das er kannte.

Der Protagonist des Buches, Doyle Redmond, ein gescheiterter Autor, kehrt in die Ozarks zurück und wird sehr bald in blutige Fehden zwischen lokalen Drogenbanden verstrickt. Es ist ein bitterer, auf seltsame Weise lyrischer Roman, der die Ozarks und seine Bewohner eindringlich zum Leben erweckt. Eine Vorauszahlung zu diesem Buch ermöglichten es ihm, sich ein Haus in West Plain zu kaufen. Nun war er wieder zu Hause, bei seinen Wurzeln. Die Ozarks ist eine Hochlandregion, die die südliche Hälfte von Missouri und Teile von Arkansas einnimmt und sich ebenso in das nordöstliche Oklahoma sowie in den äußersten Südosten von Kansas erstreckt. Aber nicht nur die Landschaft ist mit dem Begriff Ozark verbunden. Es ist auch die besondere Kultur, die Bevölkerung mit einem Dialekt, der dort gesprochen wird. Die Wurzeln von Woodrells Familie reichen bis in das Jahr 1840 in den Ozarks zurück. Nun wohnt er nur einen Steinwurf von dem Haus weg, in dem seine Mutter geboren wurde. Der Roman „Give us a kiss“ war der Übergang zu den Ozark Romanen. Es folgten „The Death of Sweet Mister“, „Tomato Red“, und „Winter’s Bone“. Woodrell hatte sein Thema gefunden.

Nun saß er also in der Stadtbibliothek in Dortmund und las im Rahmen des Krimifestivals „Mord am Hellweg“ aus seinem Buch „Der Tod von Sweet Mister“. Der Roman, geschrieben aus der Perspektive eines 12 Jahre alten Jungen, bleibt unvergesslich. Der Junge namens Shug lebt mit seiner über vorsorglichen Mutter in einer heruntergekommenen Hausmeister-wohnung auf einem Friedhof. „Kindliche Erzähler können ein wenig süß klingen“ sagte Woodrell. „Shug ist es nicht, denke ich. Als ich anfing zu schreiben, bekam ich ein Gefühl für ihn und seine Mutter. Die Idee, beim Schreiben, innerhalb einer Person, einer Kultur oder Familie zu sein, dass auch beinhalten kann, Grenzen zu überschreiten, ist sehr komfortabel für mich. Ich muss keinen großen Sprung machen. Alles lag vor meiner Tür. Der Ursprung der Geschichte, so erzählte Woodrell liegt in seiner Kindheit. Eines Tages ging er mit einem Schulkameraden zu diesem nach Hause. Dort im Wohnzimmer standen über 300 Radios herum. Der Vater war nicht sehr erfreut, einen fremden Jungen in seiner Wohnung zu haben. Erst im Nachhinein kam es ihm merkwürdig vor, dass jemand 300 Radios zu Hause hatte. Diese kleine Begebenheit, dieses Familiengeheimnis und die latente Gewalt des Vaters seines Schulkameraden, ging ihm nicht aus dem Kopf und mit „Sweet Mister“ hat er diese Episode zu Literatur gemacht.

Buchliste

1986 „Under the Bright Lights“ dt. „Cajun Blues“, Heyne 1994.                      .

1987 „Woe to Live On“ dt „Zum Leben verdammt“, Rowohlt, 1998.

1988 „Muscle for the Wing“ dt. „Zoff für die Bosse“, Heyne 1995.

1992 „The Ones You Do“ dt. „John X“., Rowohlt, 1999.

1996 „Give Us a Kiss“ dt. „Stoff ohne Ende“. Rowohlt, 1998.

1998 „Tomato Red“ dt. „Tomato Red“, Rowohlt, 2001; „Tomatenrot“, Liebeskind 2016.

2001 „The Death of Sweet Mister“ dt. „Der Tod von Sweet Mister“, Liebeskind, 2012.

2006 „Winter’s Bone“ dt. „Winters Knochen“ Liebeskind, 2011,

2011 „The Outlaw Album“

2013 „The Maid’s Version“ dt. „In Almas Augen“; Liebeskind 2014